Der Palast steht leer. Er würde einen ausgezeichneten Wohnsitz für dich abgeben, Dilara. schlug Aidan vor. Soll ich den Soldaten befehlen, alles für deinen Einzug bereitzumachen? Der Palast wird unser Hauptquatier. bestätigte Dilara, aber wohnen werde ich dort nicht. Shilen lebt nicht in großen Palästen, also werde auch ich das nicht tun. Ich werde in den Tempel einziehen, nehmt jeden Magier fest, der sich noch im Tempel aufhält. Zu ihrer eigenen Sicherheit müsst ihr sie irgendwo einsperren. Aidan wirkte nicht besonders erfreut über ihren Auftrag. doch sie stellte Dilaras Anordnungen nicht in Frage. Vom Rücken ihres übellaunigen Fenrir erteilte Dilara weitere Befehle. Diensteifrig hatten ihre Soldaten sich um sie geschart, weil die auf einen Blick, ein Wort, ein Lächeln hofften. Aidan hielt sich zurück, weil sie nicht in dem Gedränge von Dunkel Elfen, Orks, Demonen und Fenrir's stecken bleiben wollte. Sie hätte gern gewusst, was sie mit dem Elfen anstellen sollte und hatte insgeheim gehofft ihn semtliche Glieder zu brechen und ihn quallvoll verenden zu lassen. aber das war nicht so dringend. Im Moment war sie froh, diese Zeit zum Nachdenken zu haben, denn sie wollte festlegen, was als Nächstes zu tun war. Der Tempel von Aden war ein uraltes Bauwerk aus der Zeit vor den Menschen. Der Tempel, in dem man die alten Götter des Lichts und der Dunkelheit verehrt hatte war angeblich das älteste Gebäude von Aden, vermutlich noch aus der Zeit als Aden kaum mehr als ein Dorf gewesen war. Zahlreiche Gerüchte und Legenden rankten sich um den Tempel, darunter auch die Sage, dass der Grundstein von einem Licht Elfen König gelegt worden war, welche in dieser Gegend Zuflucht gesucht haben. Nach dem sie aufgenommen wurden hatte der Licht Elfen König zum sichtbaren Zeichen seiner Dankbarkeit einen Tempel für die Götter erbauen lassen. Nach dem Krieg zwischen Dunkel Elfen und Elfen hätte der Tempel vielleicht dasselbe Schicksal erlitten wie viele andere, an welchem die Leute damals ihren Zorn über die Götter ausließen, indem sie die Gebäude zerstörten. Dieser Tempel jedoch blieb unangetastet, vor allem aufgrund des Gerüchts, das der Geist des Licht Elfen Königs noch hier verweilte und es nimmandem gestatete, seinen Tribut an die Götter zu beschädige. Man verzichtete aber darauf, den Tempel bewusst zu erhalten. Das kleine quadratische, wenig imposante Bauwerk aus weißem Marmor hatte ein steil geneigtes Dach, das sich zwischen zwei Bäumen hoch erhob. Unter diesem Dach befand sich ein zentraler Altarraum der größte und wichtigste Raum im Tempel. Darum herum lagen weitere Räume Schlafbereiche für die Magier, eine Bibliothek und anderes. Durch zwei nebeneinander angeordnete Flügeltüren an der Vorderseite trat man ein. Da Andeluvian zu dem Schluss gekommen war, dass er in dem Getränge auf den Straßen zu Fuß leichter vorwärts kommen würde, stellte er seinen Fenrir in einem Gästehaus nahe des Westtores unter und maschierte dann nach Norden, wo der Tempel etwas abseits auf einem Hügel lag und die Stadt überblickte. Vor dem Tempel hatten sich einige Leute versammelt, denen Dilara von den Wundern der Shilen erzählte. Ein älterer Dunkel Elf runzelte ganz erheblich die Stiern, aber die meisten anderen lauschten gebannt. Im und vor dem Tempel hatte an zahlreiche Lichter entzündet. Die gewaltigen Flügeltüren standen offen. Unter Sinope's kommando trugen die Soldaten einige Sachen von Dilara in den Altarraum. Der Kopf von Sinope war gut zu sehen, denn ihre spitze und Blut befleckte Doom Armor hob sich vor den Flammen der Fackeln ab, die an den Wänden in ihren Halterungen steckten. Dilara überwachte die Prozession durch häufige Seitenblicke, denn sie wollte ganz sicher sein, dass ihre Sachen mit Umsicht behandelt wurden und ihre Soldaten sich würdevoll und respektvoll verhielten. Die Soldaten waren gut gelaunt. Sie lachten und scherzten darüber, wie bemerkenswert es war, dass ausgerechnet Dilara den Tempel der als besonderst gut bekannten Magier übernommen hatte. Aidan fand das weniger komisch und hatte auch erhebliche Zweifel, ob Dilara sich über diese Reden gefreut hätte. Durch einen anderen Eingang mit Flügeltüren betraten die Soldaten Dilara's Wohnräume. Andeluvian entdeckte durch eine offene Tür zur Linken Emily, die in hellem Kerzenschein am Altar stand und dafür sorgte, dass Dilara's Hab und Gut richtig eingelagert wurden. Andeluvian zog sich in den Schatten zurück, denn er hoffte, Emily alleine abfangen zu können. Die Soldaten schleppten ihre Last in den Raum und stellten es unter viel Geächtze und Gestöhne ab. Hunderte Schwarze Kerzen, die wohl Emily aufgestellt hatte, erhellten den Altar. Andeluvian fuhr sich mit der Hand über die Stiern. Die Kerzen strahlten eine erstaunliche W?ärme aus. Er setzte sich auf eine Bank im hinteren Bereich des Altarraums, wobei er sich möglichst leise bewegte und sogar seine Schwerter festhielt. Bei der Bank angekommen wartete er ungedultig darauf, dass Sinope und Aidan verschwanden. Ich werde eine Wache für die Wohnungsräume aufstellen. erklärte Aidan gerade. Andeluvian fluchte in sich hinein. Damit hatte er nicht gerechnet.
Nicht nötig, wehrte Emily ab. Dilara wird am Altar beten, und sie hat befohlen, dass sie dabei alleine sein will. Daraufhin atmete Andeluvian auf doch dann stockte ihm vollends der Atem. Aidan war schonfast draußen, als sie stehen blieb und einen forschenden Blick in den ganzen Altarraum warf. Andeluvian erstarrte. Verzweifelt versuchte er, sich zu erinnern, ob Aidan im Dunkeln gut sehen konnten oder nicht. Ihm kam es so vor, als hätte Aidan ihn bemerkt, denn ihre wunderschönen und dennoch tödlichen Augen starrten ihn direkt an. Er wartete gespannt, ob Aidan ihn rufen würde oder direkt einen Dolch zücken würde, aber nach einer kurzen Musterung drehte sich Aidan um schmiss ihr Haar über die rechte Schulter nach hinten und ging doch hinaus. Andeluvian wischte sich den Schweiß ab, der ihm über das Gesicht rann und schon vom Kinn heruntertropfte. Langsam und vorsichtig schob er sich zwischen den Bänken hindurch und ging nach vorne zum Altar. Er bemühte sich, leise zu sein, aber das Leder knarrte, und das Metall klapperte leise. Emily war in Kerzenschein getaucht. Ihr Gesicht war ihm teilweise zugewandt. Mit Schrecken bemerkte Andeluvian, wie schmal Emily geworden war. Die Wochenlange Fahrt im Wagen, während der sie nur Dilaras flammenden Reden gelauscht hatte, hatte ihren gut trainierten Körper verkümmern lassen. Sicher konnte sie noch ihr Schwert führen, aber gegen einen gesunden, kampferfahrenen Gegner würde sie keine zwei Runden durchhalten. Sie lachte nicht mehr und redete wenig. Schweigend kam sie ihren Pflichten nach. Andeluvian hatte Shilen noch nie besonders gemocht, doch jetzt begann er, sie ausdrücklich zu hassen. Welche Göttin zertrat jede Freude und nahm Anstoß am Lachen? Mit einer solchen Göttin wollte er nichts zu tun haben. Er war froh, dass er gekommen war, um mit Emily zu sprechen, denn er hoffte, sie überreden zu können, dass sie es endlich aufgab und mit ihm kam. Doch diese Hoffnung wurde schon im Keim erstickt. Ein Blick auf ihr Gesicht, als sie sich über die Kerzen beugte, verriet ihm, dass er nur seine Zeit verschwendete. Emily, begann er. Was willst du, Andeluvian, fragte Emily, ohne sich umzudrehen. Ich muss mit dir reden, sagte er. Bitte, nur für einen Moment. Es dauert nicht lange. Emily setzte sich auf eine Bank. Andeluvian hätte lieber weiter hinten gesessen, abseits des Lichts und der Hitze der Kerzen, aber Emily rührte sich nicht von der Stelle. Voller Anspannung und Sorge warf sie immer wieder einen Blick zur Tür, halb angespannt, halb erwartungsvoll. Emily, hör mir zu beschwor Andeluvian sie. Ich verlasse Aden. Heute Nacht. Ich bin gekommen, um dir das mitzuteilen und um dich vielleicht doch noch davon zu überseugen, mit mir zu kommen. Nein, lehnte sie mit einem Blick zur Tür ab. Ich kann jetzt nicht weg. Ich hab hier viel zu tun, bevor Dilara kommt. Ich will dich doch nicht zum Picknick einladen!, erregte er sich. Ich will, dass du heute Nacht mit mir von hier fliehst! In der Stadt geht es drunter und drüber, Soldaten maschieren ein und aus. Niemand hat den Überblick. Es wird noch Stunden dauern, ehe hier eine gewisse Ordnung herrscht. Es ist der perfekte Zeitpunkt. Dann geh, meinte Emily achselzuckend. Ich will dich sowieso nicht mehr hier haben. Du willst mich nicht mehr in der Nähe haben, weil ich dich daran erinnere, wer du mal warst. Du magst Shilen nicht. Du magst die Veränderung, die mit dir vorgeht, nicht mehr als ich. Warum tust du dir das an? Weil, entgegnete Emily müde, als hätte sie es ihm schon viele Male gesagt, Shilen ist eine Göttin, Andeluvian. Eine Göttin, die in diese Welt gekommen ist, um sich um uns zu kümmern und uns zu leiten. Wohin? über den Rand eines Abgrunds? herrschte Andeluvian sie an. Du kommst also nicht mit? Emily schüttelte den Kopf. Nein, Andeluvian, ich komme nicht mit. Ich weiß, das du es nicht verstehst das ligt in deiner Natur. Ich bin nicht so stark wie du. Ich bin ganz allein im dunklen Wald, und ich habe Angst. Ich bin froh, dass ich eine Führerin habe, und wenn diese Führerin nicht perfekt ist bin ich es auch nicht. Ade, Andeluvian. Danke für deine Freundschaft und deine Sorge. Gute Reise. Möge..... Shilen mich behüten?, ergänzte er grimmig. Nein, danke. Er drehte sich um und stampfte hinaus. Andeluvian hielt aufs Westtor und damit die Freiheit zu. Er verdrängte jeden Gedanken an Emily, denn er wollte nicht mehr über sie nachdenken. Seine Rüstung legte er größenteils ab die Arm und Beinschienen sowie das Kettenhemd, doch Harnisch und Helm behielt er. Beides war unbequem, aber er musste in Betracht ziehen, dass Aidan es früher oder später satt haben würde ihn zu beschatten, und ihn einfach von hinten mit einem Dolch erstechen könnte. Die zwei massigen Türme des Westtors ragten schwarz vor dem roten Lichtschein auf, der von den Kerzen erzeugt wurde. Die Tore waren verschlossen. Die Torhüter wollten sie erst öffnen, nachdem sie Andeluvian genau ins Auge gefasst und seine Geschichte angehört hatten. Er sei ein Bote, der die Nachricht vom Sieg nach Giran bringen sollte.. Daraufhin wünschte man ihm eine gute Reise und öffnete eine Pforte, um ihn passieren zu lassen. Beim zurückblicken auf die Mauern von Aden, die voller Dunkel Elfen und Orks standen, war Andeluvian von Dilaras Führerschaft und ihre Fähigkeit, in ihren Truppen für Diziplin und Ordnung zu sorgen, zu seinem großen Bedauern erneut tief beeindruckt.
Mit jedem Tag, den sie länger hier bleibt, wird ihre Macht wachsen, sagte er sich düster, als sein Fenrir durch das Tor stampfte. Vor ihm lag eine weite Hügel Landschaft und er fragte sich leise Und wie sollen wir gegen sie kämpfen? Das könnt ihr nicht. Eine zirliche Gestalt versperrte ihm den Weg. Andeluvian erkannte die zarte Stimme, und sein Fenrir erkannte das glitzern der Dolchspitzen. Schnaufend bäumte es sich auf, so dass Andeluvian alle Hände voll zu tun hatte, um auf seinem Rücken zu bleiben. Es war Aidan. In diesem hektischen Augenblicken verpasste er die Gelegenheit, Aidan entweder niederzureiten oder davonzustürmen und zu hoffen das ihre Wurfdolche ihr Ziel verfehlen würden. Als Aidan näher kam, wurde ihr wunderschönes Gesicht vom roten Schein der Fakeln, die Adens Nächte in ewiges Zwielicht tauchte, angestrahlt. Sie hielt den Fenrir am Zügel fest. Andeluvian zog sein Schwert. Zweifellos würde dies ihre letzte Begegnung sein, und zweifelslos stand auch fest, wie sie enden würde. Er hatte Geschichten drüber gehört, wie Aidan ganze Truppen von Soldaten ins Jenseits geschickt hatte. Ein Blick auf ihre Dolche die aus feinsten Edelholz und Drachenknochensplitern hergestellt wurde sprach für die Glaubwürdigkeit der Erzählungen. Hör mal, Aidan, begann Andeluvian, um ihr gleich das Wort abzuschneiden. Von Predigten habe ich die Nase voll, und ich habe es auch satt, Tag und Nacht beschattet zu werden. Du weißt, dass ich geschickt wurde, um Dilara auszuspionieren. Ich weiß, dass du es weißt, also sollten wir es jetzt und hier zu Ende bringen. Ich würde zu gern mit dir kämpfen, Spion antwortete Aidan mit kalter Stimme. Ich würde dich gern töten und deinen Leib vom Fenrir zerreisen lassen, aber es ist mir nicht gestattet. Das dachte ich mir bereits, sagte Andeluvian, während er sein Schwert senkte. Darf ich fragen, warum? Du dienst. Du tust nur was geplannt ist. Moment mal, Aidan, wir wissen doch beide, dass ich nicht losreite, um Dilaras Befehle zu befolgen. setzte Andeluvian an, um dann verwirrt innezuhalten. Schaufelelte er sich nicht gerade sein eigenes Grab? Ich meine Shilen, korregierte ihn Aidan. Ich meine Shilen. Hast du dir nie die Mühe gemacht, herauszufinden, wer das ist? Shilen? Der Verlauf der Unterhaltung störte Andeluvian immer mehr. Nein. Um ehrlich zu sein, kümmert mich das nicht die... Shilen ist die Göttin der Dunkel Elfen aus alter Zeit beantwortete Aidan die nicht gestellte Frage. ...Bohne endete Andeluvian erschüttert. Auf nächtlichen Straßen saß er auf seinem Fenrir und stellte fest, dass nun alles zueinander passte. Auf eine blutige, entsetzliche, schreckliche Weise. Niemand brauchte ihn zu fragen, ob er Aidan Glauben schenkte. Tief in seinem Inneren hatte Andeluvian die Wahrheit schon die ganze Zeit über geahnt. Warum sagst du mir das?, wollte er wissen. Es ist mir nicht gestattet, dich zu töten, erwiederte Aidan grimmig, aber ich kann deinen Kampfgeist ersticken. Ich kenne deine Pläne. Du bringst dem Elfenvolk eine Nachricht von seinem erbärmlichen König Donar, der sie anfleht, zu seiner Rettung zu eilen. Was glaubst du, warum Dilara mich ihn nicht in stücke reisen hat lassen? Nur damit du sein Bote sein kannst! Bring sie alle her, damit sie in der Nacht des Neuen Auges Zeuge werden, wie Göttin Shilen zu neuem Ruhm aufsteigt. Aidan ließ den Fenrir los. Reite los, reite zu den Träumen von Sieg und Ruhm, die in deinem Herzen glühen, und wisse unterwegs, dass sie nichts als Asche sind. Shilen lenkt dein Schicksal. Alles was du tust, tust du ihn ihrem Namen. So wie ich. Nach einem spöttischen Gruß drehte sich Aidan um und maschierte auf die Mauern von Aden zu. Andeluvian blickte zum Himmel. Die Rauchwolken aus den zerstörten Häusern verdeckten den Blick auf Mond und Sterne. Von oben war die Nacht finster, von unten feurig umrahmt. Ob es stimmt, dass Shilen ihn irgendwo da draußen beobachtete? Das er alles wusste, was er dachte und plante? Ich muss umkehren, dachte Andeluvian schüttert. Emily warnen. Er wollte seinen Fenrir wenden, hielt aber dann inne. Vielleicht will Shilen genau das ereichen? Wenn ich umkehre, sorgt sie vielleicht dafür, dass ich keien Gelegenheit mehr bekomme, mit den Elfen zu sprechen. Ich kann nichts tun, um Emily zu helfen. Ich werde lieber weiterreiten. Er drehte den Kopf seines Fenrir in die andere Richtung, stockte aber erneut. Shilen wünscht, dass ich mit den Elfen spreche. Das hat Aidan gesagt. Also sollte ich es vielleicht einfach lassen. Woher soll ich wissen, was ich tun soll? Spielt es überhaupt eine Rolle? Andeluvian erstarrte. Aidan hatte Recht, gestand er sich bitter ein. Sie hätte mir einen Gefallen getan, wenn sie mir einfach einen ganz gewöhnlichen Dolch durch den Rücken gerammt hätte. Die Dolchspitze, mit der sie mich jetzt durchbohrt hat, ist vergiftet. Ich werde sie nie wieder los. Was soll ich tun? Was kann ich tun? Er hatte nur eine Antwort darauf, dieselbe, die er Emily gegeben hatte. Er musste dem folgen, was sein Herz ihm auftrug.
Als Aidan zum Westtor zurückkehrte, war sie zu ihrer Enttäuschung weniger zufrieden, als sie es sich gewünscht hatte. Sie hatte den selbssicheren, zuversichtlichen Andeluvian mit der selben Krankheit anstecken wollen, die sie selbst infiziert hatte. Dieses Ziel hatte sie auch erreicht der wütende und verwirrte Gesichtsausdruck war der Beweis dafür. Aber jetzt stellte Aidan fest, dass ihr Sieg sie nicht zufrieden machte. Was hatte sie sich eigentlich erhofft? Das Andeluvian ihr das Gegenteil bewies? Pah!, schnaufe Aidan wütent. Er steckt in derselben Schlinge wie wir anderen, und es gibt keinen Ausweg. Nicht jetzt. Nicht in Zukunft. Nicht einmal im Tod. Als sie im Zimmer von Dilara ankamm schaute sie sich um, in dem bisher das Oberhaupt des Magier Ordens gelebt hatte, wahrscheinlich jener alte Narr, der während Dilara's Predigt die ganze Zeit über die Stiern gerunzelt hatte. Aidan fand alles zu ihrer Zufriedenheit vor. Für Dilara's Bequemlichkeit war gesorgt. Ihre Waffen lagen bereit, die Rüstung hing ordentlich auf einem Ständer. Schwerter und Rüstung waren poliert und von Blut gesäubert. Auf einem Tischchen neben ihrem Bett stand ein Tablett mit einem Imbiss. Sogar eine Kerze brannte, um ihr im Dunkeln den Weg zu weisen. Irgendjemand war drauf gekommen, einige Winterrosen in einem Krug hinzustellen. Der ganze Raum zeugte von der ergebenen Liebe, die ihre Untergebenen ihr entgegenbrachten. Ihr entgegenbrachten. Aidan fragte sich, ob ihr das klar war. Die Männer und Frauen kämpften für sie, für Dilara. Sie riefen ihren Namen, wenn Dilara sie in die Schlacht führte. Sie riefen ihren Namen, wenn sie siegreich waren. Dilara... Dilara... sie riefen nicht: Für Shilen. Und ich wette, das passt dir nicht, sprach Aidan in die Dunkelheit. Konnte eine Göttin auf eine Sterbliche eifersüchtig sein? Diese Göttin schon, dachte Aidan, die plötzlich Angst verspürte. Sie betrat den Altarraum, wo sie zunächst blinzeln musste, um sich an das schmerzhafte helle Licht der vielen Kerzen auf dem Altar zu gewöhnen. Dilara war alleine. Betend kniete sie vor dem Altar. Aidan konnte ihre Stimme hören, die murmelte, verebbte, dann wieder murmelte, als würde sie Anweisungen entgegennehmen. Sinope lag ausgestreckt auf einer Bank und schlief. Es war ein fester Schlaf auf diesem harten Lager. Dilara hat ihren eigenen Mantel über sie gebreitet damit sie nicht friert. Aidan ging zum Altar. Aus Respekt vor Dilara versuchte sie sich leise zu bewegen. Nachdem sie hinter Dilara getreten war, sprach sie Dilara leise an: Dilara... Sie hob nicht einmal den Kopf. Aidan wartete einen Moment, sann sagte sie erneut: Dilara! Sie legte eine Hand auf ihre Schulter. Diesmal drehte sie sich um und sah Aidan an. Ihr Gesicht war blass und todmüde. Dunkle Ringe umschatteten ihre Bernsteinaugen, deren strahlender Glanz gedämpft war Du solltest schlafen gehen, riet Aidan ihr. Noch nicht, wehrte sie ab. Du warst auf dem Schlachtfeld überall zugleich, beharrte Aidan. Ich konnte kaum mit dir Schritt halten. Wo ich auch hinsah, du warst schon da, hast gekämpft und gebetet. Du brauchst deinen Schlaf. Wir haben morgen und in den kommenden Tagen viel zu tun, um die Stadt zu befestigen. Die Elfen werden uns angreifen. Ihr Spion ist bereits unterwegs. Ich hab ihn ziehen lassen. Wie du es mir aufgetragen hast. Ich glaube, das war ein Fehler. Er ist mit dem Elfenkönig im Bunde. Die Menschen werden sich mit den Elfen verbünden, damit beide Nationen uns gemeinsam angreifen können. Höchstwarscheinlich, bestätigte Dilara. Sie hielt Aidan die Hand hin und gewährte ihr damit das Privileg, ihr beim Aufstehen zu helfen. Dann hielt sie ihre rechte Hand fest und sah ihr in die Augen. Es ist alles gut, Aidan. Ich weiß, was ich tue. Du musst nur glauben. Ich glaube an dich, Dilara, erwiederte Aidan. Dilara warf ihr einen enttäuschten Blick zu. Dann ließ sie ihre Hand los und drehte sich von ihr weg, um den Altar anzusehen. Ihr Blick und ihr Schweigen waren Vorwurf genug. Ich brauch dich nicht mehr, Aidan. Geh schlafen. Ich schlafe erst, wenn du schläfst, Dilara. Das weißt du. Jedenfalls solltest du es wissen, nach all dieser Zeit. Dilara senkte den Kopf. Erstaunt bemerkte Aidan zwei Tränen, die glitzernd über ihre Wangen rannen. Mit einer schnellen Bewegung wischte die beide ab. Ich weiß, Aidan, antwortete sie mit gedämpfter Stimme. Vergeblich bemühte sie sich um Schroffheit. Und ich weiß deine Loyalität zu schätzen. Wenn du nur,.... Sie hielt inne, blickte über die Schulter und sagte beinahe scheu Willst du hier mit mir warten? Warten worauf, Dilara? Auf ein Wunder. Mit befehlender Geste hob Dilara die Hände. Die Flammen loderten auf und wurden immer länger. Hinter dem Altar hingen Fahnen und Wandteppiche mit Emblemen, die den Magiern heilig waren von unterschiedlichen Göttern. Schon erreichten die Flammen die Fransen der Wandbehänge. Die Stoffe fingen Feuer. Gleichzeitig wurde es immer heißer. Rauchschwaden krochen um den Altar. Sinope begann zu husten, bis sie halb erstickt erwachte. Erschrocken sah sie sich um und sprang auf.
Dilara! schrie sie. Wir müssen hier raus! Über die Banner griffen die Flammen rasch auf die Holzbalken über, welche die hohe Decke trugen. Aidan hatte noch nie erlebt, dass ein Feuer sich so schnell ausbreitete. Es war, als wären Holz und Wände mit Öl getränkt. Wenn dein Wunder diesen Tempel niederbrennen soll, dann hat Sinope Recht, überbrüllte Aidan das Tosen des Feuers. Wir müssen sofort hier raus, bevor die Decke einstürzt. Wir sind nicht in Gefahr, entgegnete Dilara gelassen. Die Hand von Shilen schützt uns. Seht, staunt und habt teil an der Macht. Jetzt standen auch die dicken Deckensparren in hellen Flammen. Jeden Moment würden sie auseinander brechen und krachend auf die herabstürzen. Aidan wollte Dilara gerade packen und gewaltsam nach draußen schleppen, als sie zu ihrer fassungslosen Staunen sah, dass das Feuer die Balken restlos verzehrte. Es blieb nichts übrig, keine Holzkohle, keine brennenden Holzreste, die funkensprühend herunterpolterten. Das heilige Feuer fraß das Holz, fraß die Decke und fraß auch alles andere an Matrialien, die beim Bau des Daches verwendet worden waren. Dannach erloschen die Flammen. Vom Tempeldach war nichts geblieben, nicht einmal Asche, Aidan starrte in den Nachthimmel, an dem die Sterne glitzerten. Sieh nur!, forderte Dilara sie leise auf. Das Wunder beginnt. In ihrem langen Leben hatte Aidan viele wundersame und schreckliche Dinge gesehen, besonderst in ihrer Zeit mit Dilara. Aber etwas Derartiges hatte sie noch nie erlebt. Wie vom Donner gerührt starrte Aidan nach oben. Hunderttausende Seelen erfüllten den Nachthimmel. Der gespenstische Neben ihrer Hände, Gesichter und durchscheinende Leiber legte sich vor die Sterne. Entgeistert und erschütert stellte Aidan fest, dass die Toten in ihren nicht körperlichen Händen Menschen und Elfenschädel trugen. Ehrfürchtig und sanft senkten die Seelen den ersten schädel durch die verkohlte Öffnung des bisherigen Daches und legten ihn vor dem Altar auf den Boden. Die Toten brachten einen zweiten Schädel, sie legten diesen Schädel neben den ersten ab. Drausen erhoben sich Schreie und Rufe. Als die Dunkelelfen das Feuer gesehen hatten, waren sie zum Tempel gelaufen. Doch der wundersame und erschreckende Anblick der Schädel, die sich in den Armen der Toten zu Hunderten aus dem Nachthimmel herunterschraubten, ließ das Geschrei bald verstummen. Erschüttert schaute alles nach oben. Einen nach dem anderen stapelten die Toten die Schädel übereinander. Immer höher wurde der Schädelberg, bis er sich deutlich über die Spitze des ehemaligen Daches erhob. Aidans Mund wurde trocken. Ihre Augen brannten, und ihre Kehle schnürrte sich zusammen. Sie bekam kaum herraus, was sie sagen wollte. Ihr Magen krampfte sich zusammen, ihre Knie wurden weich. Sie war entsetzt, doch sie schämte sich nicht, ihr Entsetzen einzugestehen. Du hast Valakas Totem gestohle? Der Drache wird wütend sein, Dilara. Valakas wird herrausfinden, wer sein Totem geraubt hat. Er wird herkommen und mit dir kämpfen! Ich weiß, sagte Dilara ruhig. Das ist der Plan. Er wird dich umbringen, Dilara!, keuchte Sinope. Er wird uns alle umbringen. Ich kenne diesen scheußlichen Drachen. Niemand ist ihm gewachsen. Selbst seine eigenen Artgenossen fürchten ihn. Siehe doch, mahnte Dilara leise. Wiederstrebend wandte Sinope und Aidan ihren Blick dem Schädelhaufen zu, der jetzt beinahe fertig war. Ein letzter Schädel, der eines Elfen Kindes, wurde obenauf gelegt. Die Toten verweilten noch einen Augenblick, als wollten sie das Werk ihrer Hände begutachten. Dann wehte ein kalter Wind vom Berg herab, der die Seelen wie Nebenschwaden zerstrieben ließ und mit einem letzten Stoß auseinander trieb. Die Augen der toten Menschen und Elfen begannen, aus ihren leeren Höhlen herraus zu leuchten. Aidan kamm es so vor, als könne sie Stimmen hören, Hunderte von Stimmen, die sich zu seinem Triumphgesang erhoben. Über dem Totem bildete sich eine schattenhafte Gestalt herraus, die sich Besitz ergreifend darum herum ringelte. Bald war die Gestalt klarer zu erkennen. Schuppen in vielen Farben erglänzten im Licht der Kerzen. Ein gewaltiger Schwanz legte sich um die Basis des Totems, das nun von einem riesigen Drachen umschlungen war. Über dem Schädelberg erhob sich ein gewaltiger Drachenkopf der an einem Körper hing, und dieser Körper hing an dem Totem. Die Augen der toten strahlten fast gleißend hell, und plötzlich erstrahlte ihr Licht wie eine Lanze zum Himmel hinnauf. Das Licht das Totems flackerte den Himmel, bis dort ein einzelnes Auge entstand, das Auge Shilen's. Rot und starr blickte dieses Auge auf sie nieder. Der Körper des Drachen wurde noch deutlicher und stärker. Die Macht des Totems nährt Shilen, wie es bisher Valakas genährt hat, erklärte Dilara. Dilara... Dilara... Sie ging durch die Tür des zerstörten Tempels. Aidan hörte den anschwellenden Jubel bei ihrem Erscheinen, der von den Bergen widerhallte, so dass sein Echo zum Himmel aufstieg. Zum Himmel. Aidan blickte zu dem Kopf des Ätherischen Drachen auf, der sich über dem Totem wiegte und von seiner Macht zehrte. Das eine Auge glühte. Sie wollte sich bereits abwenden, als sie ein Stöhnen hörte. Sinope hockte in einer Ecke und starrte fassungslos in die lehre. Auch sie hatte die Wahrheit begriffen. Zu spät, sagte sie zu ihr, als sie auf dem Weg ins Bett an ihr vorbeiging. Zu spät. Für uns alle ob Dunkelelfen, Orks, Menschen, Elfen oder andere Völker. Eure gewaltige und überaus huldvolle Majestät, begann Ember. Valakas öffnete ein Auge, ein Zeichen dafür, dass sein Schlaf nicht ruhig gewesen sein konnte. Für gewöhnlich musste Ember ihn mehrfach ansprechen oder sogar einen seiner Untergebenen holen, um ihn aufzuwecken. Was willst du?, knurrte er. Euch darauf aufmerksam machen, was sich während Eures Schlafes in der Welt zuträgt. Ja, fahrt fort, forderte Valakas ihn auf. Er öffnete sein zweites Auge. Wo ist Euer Totem, Majestät?, frage Ember kühl. Valakas drehte den schweren Kopf, um einen beruhigenden Blick auf seinen Schädelhaufen zu werfen. Doch dann riss er die Augen auf und stieß ein heißes Zischen aus. Er bäumte sich mit einer solchen Wucht auf, dass der Berg bebte, und drehte den Kopf hin und her. Wo ist es?, brüllte er unter heftigen Schwanzschlägen. Seine Hiebe ließen die Granitwände aufreißen und Stalaktiten von der Decke krachen, die auf seinen roten Schuppen zerschellten. Wo ist der Dieb? Wer hat sie geraubt? Sag es mir! Dilara Dilara?, wiederholte Valakas verblüfft. Dilara? Meine Tochter? Wieso hat sie mein Totem genommen? Wie hat sie es genommen? Ich rieche keinen Dieb! Niemand war hier in meinem Hort! Kein Dieb hätte es transportieren können! Nicht einmal eine ganze Gilde, stimmte Ember zu. Aber eine Armee aus Toten konnte es. Und hat es getan. Dilara und Shilen ja, von ihrem Bündnis habe ich gehört..., zischte Valakas hasserfühlt. Ihr habt vorzüglich gespeist all die Jahre Majestät, zu schade dass ihr nicht den Abfall hinausgetragen habt. Die Seelen der toten Drachen haben ihre Königin erkannt und werden alles tun, was sie oder Dilara verlangen. Zahlenmäßig sind sie Euch weit überlegen. bemerkte Ember an. Tote Drachen haben keine Zähne, höhnte Valakas. Ich stehe einer armseligen Göttin gegenüber, der meine Tochter zu ihrer Stellvertreterin erwählt hat und ihre Macht aus alten Seelen beziehen muss. Ich werde mir mein Totem wieder holen und Shilen den Todesstoß versetzen. Meine Mutter ließ mich damals im Krieg gegen die Götter im Stich und verkroch sich. Wenn es sein muss werde ich meine Tochter töden um meine Rache zu erhalten! Wann möchte Eure Majestät Aden angreifen?, erkundigte sich Ember. Wenn ich so weit bin, grollte Valakas. Und nun verschwinde. Dilara stand alleine vor dem von Kerzen erhellten Altar. Mit dem Rücken zum Totem starrte sie gebannt in die Flammen. Aidan war bei ihr. Wo Dilara war, war auch sie zu finden. Dilara, du bist erschöpft du kannst dich kaum noch auf den Beinen halten. Du musst schlafen gehen. Morgen.... wer weiß, was der Morgen bringt? Dann solltest du ausgeruht sein. Ich dachte, du wärst ins Bett gegangen, Aidan, erwiderte Dilara. Bin ich auch, grummelte Aidan. Ich konnte nicht schlafen. Ich wusste, dass ich dich hier finden würde. Ich bin gern hier, sagte Dilara mit träumerischer Stimme. Ganz nah bei Shilen. Ich kann ihre heilige Gegenwart spüren. Sie nimmt mich in seine Armee und hebt mich mit sich empor. Dilara richtete die Augen auf den Nachthimmel, der seit der Vernichtung des Tempeldachs sichtbar war. Wenn ich bei ihr bin, Aidan, dann ist mir warm. In seinen Armen fühle ich mich warm und geliebt, genährt, bekleidet und sicher. Wenn ich in diese Welt zurückkehre, ist mir kalt, und ich habe Hunger und Durst. Es ist eine Strafe, hier zu sein, Aidan, wo ich doch so viel lieber dort oben wäre. Aber so lange du hier unten weilst, Dilara, hast du für Shilen etwas zu erledigen. Das kannst du nicht, wenn du vor Müdigkeit umfällst. Dilara streckte die Hand aus und legte sie auf den Arm von Aidan. Du hast Recht, Aidan. Ich bin selbstsüchtig. Ich gehe ins Bett und werde morgen sogar ausschlafen.